Virtuelle Items und Recht – Teil 1 Itemhandel & Auktionshäuser

1. Sind Itemhandel Portale, die nicht von den Entwicklerstudios betrieben werden legal?

Ingameparadise und co übertragen ein Nutzungsrecht auf die Käufer, die Ihnen der ursprüngliche Rechteinhaber (Spielplattformbetreiber) in der Regel zu keinem Zeitpunkt übertragen hat.
In fast allen AGB der Publisher (Blizzard und Co) steht, dass im Spiel nur einfache, nicht-übertragbare Nutzungsrechte an den Items auf den Spieler übertragen werden.
Ein Handel außerhalb der vom Publisher zur Verfügung gestellten Handelsmöglichkeit ist meist ausdrücklich nicht erlaubt.

Viele Publisher haben bislang diesen Handel geduldet, denn indirekt hat es ihnen schon auch genutzt und mittelbar zu mehr Aktivität auf der Plattform geführt.
Sobald ein Spielebetreiber jedoch einen eigenes Auktionshaus anbietet, wird er ein Interesse daran haben, den Handel allein in diesen Rahmen stattfinden zu lassen um an der Provision zu verdienen (im Falle von Diablo III sind es etwa 1 EUR pro item, oder 15% je nach Transaktion).
Es kann gut sein, dass die Spielebetreiber aus diesem Grund früher oder später gegen diese Drittanbieter rechtlich vorgehen.
Gameforge hat sich im letzten Jahr beispielsweise explizit gegen Goldselling ausgesprochen. Zeitgleich kam aber auch heraus, dass die Firma selbst in 2005 für wenige Monate an Ingameparadise beteiligt war.
Das zeigt aber nur, dass die Drittanbieter unter Beobachtung stehen.
Als User riskiert man schon jetzt die Sperrung des Spieler Accounts, wenn dies in den AGB des Spieleanbieters steht.

 

2. Ist das Verbot des Handels mit Ingame-Items in den AGB der Publisher überhaupt wirksam?

Wenn wir davon ausgehen, dass die AGB Vertragsbestandteil geworden sind (zum richtigen Zeitpunkt im Registrierungsprozess und in der richtigen Form dem Spieler zur Kenntnisnahme vorgelegt), dann müsste man sich tatsächlich als nächstes überlegen ob es sich nicht um eine überraschende Klausel handelt.

Dies hätte eine Teilnichtigkeit, also nur die Nichtigkeit der Verbotsklausel, nicht der gesamten AGB zur Folge.
„Überraschend“ ist eine Klausel, wenn sie in dem Kontext so ungewöhnlich ist, dass der User nicht mit Ihrer Existenz rechnen kann.
Am Anfang der Diskussion vor einigen Jahren, konnte man sicher gut vertreten, dass eine solche Klausel überraschend sei. Inzwischen haben aber wirklich viele Spieler davon gehört, dass es ein solches Verbot gibt. Das Verbot des Handels ist ja auch nicht nur „quasi versteckt“ in den AGB, sondern wird auch in den FAQ etc. zusätzlich besprochen.
Auch der Umstand, dass Diablo 3 nun ein eigenes Auktionshaus betreibt spricht dafür, dass der Handel darüber hinaus nicht erwünscht ist.

Vor einigen Jahren hätte man als User denken können: wenn es etablierte unabhängige Portale gibt, in denen man mit Items handeln kann, dann muss dies als Umkehrschluss ja erlaubt sein.
Es ist zu bezweifeln, dass ein deutsches Gericht die genannte Klausel im Jahre 2012 als überraschend werten würde.
Der BGH hat ja in seinen Half Life 2 Urteil sogar angenommen, dass es sich nicht um eine überraschende Klausel handelt, wenn man ein Spiel, das man auf CD Rom gekauft hat, nur in Zusammenhang mit einem online Account bei Steam spielen kann.
Wenn eine solche Klausel schon nicht als überraschend gewertet wird, dann ist davon auszugehen, dass man auch die Verbotsklausel nicht als überraschend werten wird.

 

3 Schützen die AGBs auch den informell stattfindenden zwischen Spielern, wenn das spieleigene Auktionshaus nicht zwischengeschaltet wurde?

Laut AGB ist ein solcher informeller Handel meist verboten. Insbesondere gelten aber die AGB auf der Plattform (Battle. Net) bei einem solchen Handel nicht in dem Rechtsverhältnis zwischen den zwei Spielern sondern regeln diesbezüglich nur die Rechtsbeziehung zwischen Plattformanbieter und Spieler.
Dort werden höchstens noch Sanktionen geregelt für den Fall, dass es zu unerwünschten Handlungen auf der Plattform kommt (Bots, unerlaubter Handel).
Wenn man sich also auf einen informellen Handel im Spiel einlässt, dann trägt man als Spieler nicht nur das Risiko, dass der andere den Handel nicht vollzieht, sondern auch das Risiko der Sperrung.

 

4. Welchen Einfluss hat auf die Einführung der Spielplattformeigenen Itemshops und Auktionshäuser, wie etwa das Diablo 3 Aktionshaus.

Die Entwickler wollten verständlicher Weise den Item Handel Markt wieder zu sich ziehen, indem sie eine offizielle Tausch- und Auktionsbörse anbieten.

Ein solcher Handel, der offiziell über die eigene Plattform erfolgt hat für die Spieler schon auch Vorteile:Diese müssen sich nicht mehr mit unseriösen Anbietern herumschlagen oder jedes Mal gegen die AGB verstoßen, und Gefahr laufen, dass der Spielaccount gesperrt wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.